K@N  


 

   

Vorabpredigt für den 7. März 2010

Eph 5, 1-8

'So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger - das sind Götzendiener - ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts'


 

In den neueren Didaktikbüchern für Unterricht in der Schule wird oft geraten, sich mit einer neuen Klasse zuerst einmal auf Regeln zu verständigen, die dann für alle gelten sollen. Am Ende hängt dann ein Plakat in der Klasse- „Ich lasse den anderen ausreden“, steht dann da zum Beispiel. Oder: „Ich benutze keine Schimpfworte“, oder „ich beleidige niemanden“.
Im Lauf des Schuljahres werden die Plakate fleckig und spätestens gegen Ende des Schuljahres sind die Regeln ziemlich vergessen. Aber das macht nichts, es gibt ja ein neues Schuljahr mit frischen Plakaten...
Der Autor des Epheserbriefs hat es nicht für nötig gehalten, Verhaltensregeln mit den Leuten in Ephesus zu erarbeiten. Er hat ihnen einen ganzen Katalog um die Ohren geknallt. Versetzen wir uns in die Lage dieser Menschen und hören, auf was wir uns als Christen da eingelassen haben.

Liebe Gemeinde, wie geht es Ihnen nach diesem Abschnitt? Was ist hängen geblieben, was stellen Sie sich vor unter Unzucht, Schamlosigkeit, Habgier, Sittenlosigkeit albernem und zweideutigem Geschwätz?
In der Schule meiner Nichte – eine freie evangelische Schule – wurde beschlossen, dass die Mädchen keine bauchfreien T-Shirts oder Tops mit Spaghettiträgern mehr tragen dürfen. Zu aufreizend, unzüchtig, sündige Gedanken fördernd. Meine Nichte ist mit überzeugte Christin, aber sobald sie nach Hause kommt, holt sie die verbotenen Kleider aus dem Schrank und zieht sich um. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie dadurch den Zorn Gottes auf sich gezogen hat.
„Geiz ist geil“, der Werbespruch von Saturn zielt genau auf die Habgier der multimedialen Welt, und die Politik macht uns klar, dass für die Zukunft am besten beraten ist, wer früh zu sparen beginnt, sein Geld zusammenhält, anlegt, vermehrt. Die Grenze zwischen Sparsamkeit und Habgier ist fließend, und der Zorn Gottes ist mir in diesen Zusammenhängen – leider vielleicht – noch nicht untergekommen.
Offensichtlich lohnt es sich in einem immer noch überwiegend christlich geprägtem Land mit solchen Slogans zu werben. Und der Zorn Gottes?

Es geht dem Schreiber jedoch nicht allein um die Einhaltung von Regeln: „Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“
Plötzlich geht geht es darum, wie sehr sich Menschen von ihrem Verhalten bestimmen lassen. ‚Das woran du dein Herz hängst, ist dein Gott’, sagt Luther.
Wenn ich mir soviel wert bin, wie ich besitze, bestimmt mich die Habgier.
Wenn ich mir umso besser vorkomme, je mehr Menschen ich psychisch besiegt habe, dann komme ich aus dem albernen und zweideutigen Geschwätz nicht mehr raus.
Wenn ich meinen Wert daran ermesse, wie viele Männer mich begehren, ist Schamlosigkeit ein ‚must’.

Wann immer ich versuche mir meinen Wert selber zu geben durch mein Verhalten, klammere ich Gott aus, gebe ich Gott keine Chance mehr mich auszufüllen mit einer Liebe die mich locker tragen könnte. Ich kreise dann nur noch um mich selbst, eine Spirale abwärts – auch eine Art Zorn Gottes, denn von seiner Liebe lasse ich ja nichts mehr an mich heran.
Die Adressaten des Epheserbriefes mögen das Erbteil im Reich Christi vielleicht auf ein Leben nach dem Tod projiziert haben, aber ich glaube, dass uns eigentlich schon jetzt und heute diese Art Erbe zusteht. Teilhabe an einem Besitz, der ein großes und umfassendes Ja zu Ihnen, zu mir, zu euch ist.
Ein Ja, das uns auch in unseren Schwächen bejaht, oder trotz dieser Schwächen und uns deshalb die Möglichkeit bietet, uns nicht selbst darauf festzunageln.
„Jetzt seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts“ heißt es im Brief. Und wir werden gewarnt davor uns allzu sehr mit den Götzendienern einzulassen. Eine Warnung, die irgendwie nicht recht zu unserem Bild christlicher Nächstenliebe passen will. Andererseits erinnert es daran, wie leicht wir uns gefangen nehmen lassen von der Beschäftigung mit uns selbst.
Und auch wen ich da gar keine Ausnahme bilde, gebe ich dennoch der letzten Aussage den Vorrang, dass in mir Licht geworden ist, dass ich ein Kind des Lichts bin, und dass ich mich deshalb ruhig zu Menschen trauen kann, bei denen es aus welchen Gründen auch immer finster aussieht. Ich glaube nicht, dass die Unzucht, Habgier oder was auch immer anderer Menschen mein oder Ihr Licht auslöschen können. Allerdings – vielleicht sollten wir uns öfters Gedanken machen, wie denn so ein Leben im Licht aussehen soll.
Leben im Licht – darunter ließe ich ja vieles vorstellen. Zum Beispiel, dass ich um den Wert dieses Lichts weiß und deshalb den Kontakt zu Gott suche, um es noch heller brennen zu lassen. Dann muss ich mir keine anderen Götter suchen.
Oder meinen Körper zu achten, weil darin diese Flamme brennt, der Geist Gottes. Dann brauche ich keine Exzesse um mich zu spüren.
Oder anderen von diesem Licht weitergeben auf welche Art auch immer, dann werden Habgier und Geiz zu Fremdwörtern.
Oder Verbündete zu finden, die sich gerade in Zeiten des Terrors verstärkt für den Frieden engagieren, im Gebet, im Gespräch mit Betroffenen, im Einholen von Informationen, um zu verstehen, was eigentlich passiert.
Vielleicht bin ich ja auch zu pauschal oder zu romantisch. Eigentlich, finde ich, sollten wir wie eine Schulklasse nach den Ferien im Gespräch klären, welche Verhaltensregeln wir hier brauchen, um als Kinder des Lichts zu leben. Dann müssten wir uns nicht einfach etwas von einem unbekannten Briefautor der Antike vorsetzen lassen. Schließlich brennt Gottes Licht bis heute in uns.

Also liebe Klasse, liebe Gemeinde, wie wäre es mit der Erarbeitung christlicher Lebensregeln? Muss ja nicht gleich ein Plakat daraus werden. Aber ein Gespräch untereinander könnte weiterhelfen, den schönen letzten Satz des Predigttextes lebensnah zu machen: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!“ Ja, lebt als Kinder des Lichts. Amen.

Ute Niethammer

zum Archiv 

 
login logout